Der Geestrücken am Blankeneser Elbufer mit seinem Steilhang und dem Sollonberg wurde von der Saaleeiszeit hier hinterlassen. Gegen 1000 n. Chr. ist belegt, dass Adalbert von Bremen auf dem Berg eine befestigte Propstei anlegen ließ, deren Bewohner jedoch bald anfingen, die Umgebung auszurauben. Aus Jütland kommende Ochsentrecks, deren Tiere auf dem Wedeler Markt den Besitzer wechselten, setzten anschließend bei Blankenese über die Elbe, wo die Wassertiefe nur 2 Meter betrug. Von der gegenüberliegenden Estemündung aus, gelangten die Viehtrecks der wohlhabenden Händler per Lastkahn nach Buxtehude und in das übrige Niedersachsen. Die Plünderung der Trecks und des Umlandes konnte sich die Hamburger Kaufmannschaft nicht gefallen lassen, die Burg wurde alsbald geschliffen.
Wegen der günstigen strategischen Lage (noch heute befindet sich die Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese) wird um 1250 eine zweite Burg gebaut, diesmal durch die Schauenburger Grafen, Lehnsherren von Holstein, denen die Holsteiner das Nesselblatt in ihrer Flagge verdanken. Nach erneuten Übergriffen wird auch deren Burg von den Hamburgern geschliffen. Dabei berufen sie sich auf den Freibrief des Kaisers Barbarossa von 1189, in dem festgelegt ist, dass sich im Umkreis von 2 km der Freistadt Hamburg keine Burg befinden darf. Dass der Freibrief in schriftlicher Form eine Fälschung ist, wird natürlich verschwiegen. Die Schauenburger Grafen ziehen sich daraufhin in die Wedeler Hatzburg zurück, deren Ausblick allerdings nicht mehr mit dem von ihrem Stammschloss konkurrieren kann.

 
 

Überall in Blankenese trifft man auf alte Fischerhäuser. Sie haben, wie viele Bauten im ländlichen Bereich, die typischen zweigeteilten Klöntüren. Eine Besonderheit der Fischerhäuser sind die Türen im Dachgeschoss. Durch diese wurden Arbeitsgeräte in die Häuser gehievt.

  Blankenese Türen
 

Die Blankeneser Fischer üben ihren Beruf mit den flachbödigen, einmastigen Pfahlewern aus, deren Segel mit Eichenlohe gegen Pilzbefall imprägniert wurden. Hierdurch erhielten sie ihre eigentümliche rotbraune Färbung. Seinem Fährbetrieb verdankt Blankenese 1301 die erste urkundliche Erwähnung, als die Schauenburger Grafen diesen an den Ritter von Raboise verpfändeten. Wenig später gehören die Fähreinnahmen den Blankeneser Fischern. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts teilten die Blankeneser Bürger die Gewinne aus dem Fährbetrieb zu gleichen Teilen untereinander auf, den Zuzug von Fremden unterband man strikt. Auch der Fischfang in der Elbe war historisch betrachtet sehr lukrativ, da viele Lachse und Störe gefangen wurden. Obwohl man den Störrogen noch nicht zu Kaviar verarbeitete, sondern gleich wieder an die Möwen verfütterte, war der Edelfisch gefragt und teuer. 1557 zwangen die Hamburger den Blankenesern einen Vertrag über die Neuverteilung der Fanggründe auf. Von den Gebieten direkt vor dem Süllberg konnten die Blankeneser nicht leben, deshalb begannen sie mit der Hochseefischerei vor den Niederlanden, auf deren Märkten sie den Fang auch gleich verkauften. Ab 1640 bis 1864 (österreichisch-preußischer Krieg) kommt Blankenese zusammen mit Pinneberg und Schleswig unter die Herrschaft des rot-weißen Danebrog. Der Dänenkönig setzte die Blankeneser Interessen gegenüber der Hamburger Kaufmannschaft durch, mit der Blankeneser Elbfischerei ging es wieder bergauf. Allerdings beanspruchten die Dänen dafür Anteile an den Fähreinnahmen und ein Drittel von allem geborgenen Strandgut, denn schließlich lief so manches fremde Schiff auf der blanken Neß auf.
Während Napoleons Kontinentalsperre flaggen die Niederländer einige Schiffe nach Blankenese aus. Mit deren größeren Schiffstypen gelangen die Blankeneser bis nach Sizilien. Vor den dort herrschenden Piraten schützen sie sich mit hölzernen Geschützattrappen. Die Fruchtjäger bringen im Winter vitaminreiche Südfrüchte in die Elbregion, im Sommer holen sie Chilesalpeter und Guano. In Blankenese leben damals viele Kap Horniers. Nach wenigen Fahrten hat sich ein Schiff freigefahren, d.h., es hat sich amortisiert, dafür müssen Blankeneser Frauen häufig ihre Trauertracht anlegen. Der Niedergang der Blankeneser Flotte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts, als Schiffe mit größerer Tonnage gefragt sind. Die Blankeneser Kapitäne, zugleich ihr eigener Reeder, wollen keine Genossenschaften gründen. Lieber verdingen sie sich als Elblotsen.
Bereits ab Anfang des 19. Jahrhunderts ziehen reiche Kaufleute in den idyllischen Ort, der Fremdenverkehr nimmt an Bedeutung zu. Im Mai 1867 wird die Eisenbahnstrecke Blankenese-Altona eingeweiht. Zeitweise existiert sogar ein Eselreitservice für fußmüde Touristen vom Bull'n zum Süllberg. Dort gibt es bereits einen hölzernen Aussichtsturm, der 1889 sein heutiges Aussehen erhält. 1918, nach Ende des 1. Weltkrieges, wird der Bauern- und Fischerort Dockenhuden nach Blankenese eingemeindet.

 

 
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