Ansicht Blankeneses bei Nacht. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Postkarten, die mittels fremdartig wirkender Fotomontagen hergestellt wurden. Die kolorierte Mondscheinkarte zeigt das historische Treppenviertel, das inzwischen leider wesentlich massiver bebaut wurde.
Blankenese Nacht  
  Der ursprüngliche, dörfliche Charakter Blankeneses ist im Hanggebiet zwischen Strandweg und Süllberg am besten erhalten. Dieses wegen der fünftausend amtlich festgestellten Stufen auch Treppenviertel genannte Terrain, ist in unzählige kleinteilige Grundstücke parzelliert, deren dickwandige, teilweise mit Polsterphlox bewachsene Befestigungsmauern an kanarische Terrassenfelder erinnern. Die Südhanglage ermöglicht ein geradezu mediterranes Flair. In den Vorgärten stehen üppig blühende Kamelienbüsche und in einigen Wintergärten tragen Zitrusbäume reiche Frucht. Hans Leip widmete dieser ruhigen Idylle eigens ein Gedicht, da er kurzzeitig zwischen Aufenthalten in Oevelgönne und am Bodensee hier sein Domizil hatte. Im Treppenviertel sind reetgedeckte Fischerkaten ebenso zu finden, wie einige klotzige Betonquader aus milieuschutzlosen Zeiten. Spätestens beim beschwerlichen Treppensteigen wird deutlich, dass es sich bei diesem Viertel keineswegs um ein Millionärsgetto handeln kann. Hier überleben sogar Tante-Emma-Läden, denn in eisigen Wintern kann das Treppensteigen gefährlich werden. Der unvergleichliche Elbblick macht alles wieder wett. Er hat viele Künstler veranlasst, sich zumindest zeitweise hier niederzulassen: Richard Dehmel, Hannelore Schroth, Otto Walkes, Werner Böhm, Maler wie Volker Detlef Heydorn, Horst Jannson und Otto Bargheer. Hierbei handelt es sich jedoch meist um Zugezogene. Alteingesessene Blankeneser sind eine eingeschworene, vielfach untereinander verwandte Gemeinschaft. Namen wie Breckwoldt, Kröger und von Appen kommen sowohl auf Geschäfts- als auch auf Treppenschildern vor.  
  Verwinkelte, sich in Serpentinen auf- und abwindende Straßen dienen einem Hamburger Radsportereignis als Kulisse, besonders die 15-prozentige Steigung des Waseberges fordert alle Kräfte der Fahrer. Auch ein Halbmarathon findet hier statt. Ein Kleinbus des HVV, die sogenannte Bergziege, hilft Älteren und Gehbehinderten, sich in Blankenese trotz des imposanten Gefälles zu bewegen. Die enge Blankeneser Hauptstraße führt des öfteren zum lokalen Verkehrsgau; nachlässig abgestellte Pkws behindern die Feuerwehrzufahrt und werden aufwendig abgeschleppt. Die Hauptstraße, die in den Strandweg mündet, wird von Touristen gern zu einer Rundfahrt durch den Ort genutzt. Am Strandweg fällt auf, dass viele der ortstypischen Einfriedungsmauern eisenbewehrt sind, da sie dem Sturmflutschutz dienen sollen. Die ältesten Gebäude stehen allerdings höhergelegen am Fuße des Süllbergs, so als wären die Bauherren vergangener Jahrhunderte vorausschauender gewesen.   Elbblick bei Blankenese
 
Gosslerhaus